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Das Bahnungssystem nach Brunkow



Das Bahnungssystem nach R. Brunkow ist eine Behandlungstechnik, welche auf die Verbesserung der Haltung und Bewegung des Menschen abzielt. Zentrales Thema ist der Zusammenhang zwischen der menschlichen Motorik und dem Stützpunkt (punctum fixum), von welchem sich der Mensch gegen die Schwerkraft aufrichtet.

Brunkowtherapeuten gehen von einem unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Qualität der Aufrichtung des Stützorganes (Fuß bzw. Hand) und des gesamten Bewegungsapparates aus. Vereinfacht gesagt, die Aufrichtung des Menschen ist so gut wie die Aufrichtung seiner Hände und Füße.

Mittels gezielter Reize werden Muskelaktivitäten provoziert, die auf eine bessere Zentrierung der Gelenke abzielen und die zu einer Verbesserung der Aufrichtung führen.

Mittels Brunkow ist die Therapie zahlreicher Krankheitsbilder verschiedener Kategorien möglich. Aus diesem Grund werden im Folgenden nur exemplarisch aus verschiedenen Kategorien Krankheitsbilder ausgewählt und die möglichen therapeutischen Effekte beschrieben.


1. Neurologische Krankheitsbilder

Neurologische Krankheitsbilder - Diagnose: Apoplex
Über gezielte Aktivierung von Muskelketten sollen verloren gegangene Funktionen an Arm und Bein wiederhergestellt werden. Die Druck- und Hautreize am Bewegungsapparat führen zur Harmonisierung des Muskeltonus und zur Verbesserung der Rumpfstabilität. Die Auswahl der einzelnen Ausgangsstellungen ist befundabhängig und wird patienten- und problemorientiert gestaltet. Die Integration der betroffenen Extremitäten in die Körperwahrnehmung des Patienten steht im Mittelpunkt der Therapie.

Neurologische Krankheitsbilder - Diagnose: Periphere Paresen
Unter Ausnutzung lang anhaltender Muskelaktivität der nicht betroffenen Arme und/oder Beine werden muskuläre Restpotentiale in der gelähmten Muskulatur aktiviert und verbessert. Über gezielte manuelle Reizsetzungen steht hierbei die Förderung des Zusammenspiels von Nervensystem und Muskulatur im Vordergrund, so dass Funktionen in der gelähmten Extremität wieder ermöglicht werden können.

Neurologische Krankheitsbilder - Diagnose: Ataxie
Durch Aktivierung zweier gegenläufiger Muskelketten wird eine gezielte Stabilisation des Rumpfes und der Extremitäten (Kokontraktion) erreicht.

Neurologische Krankheitsbilder - Diagnose: Multiple Sklerose, Encephalomyelitis disseminata
Die Reizsetzungen (Druck-Stauch-Impulse und Hautstimulation) führen zu einer Harmonisierung im Tonus der Muskulatur. Die gezielte Stimulation betroffener Muskulatur zeigt positive Effekte innerhalb der Behandlung der peripheren Paresen und ataktischen Störungen, wie sie bei diesem Krankheitsbild häufig zu finden sind. Insbesondere werden Sensibilitätsstörungen durch die in der Brunkow-Therapie eingesetzten Hautreiztechniken positiv beeinflusst.


2. Orthopädische, chirurgische Krankheitsbilder

Orthopädische, chirurgische Krankheitsbilder - Diagnose: Skoliose / Haltungsschäden
Gerade in den symmetrischen Ausgangsstellungen in Bauch- und Rückenlage können über gezielte Aktivierung der Muskelketten Haltungsabweichungen, -fehler und -schäden therapeutisch angegangen werden. Die gleichmäßige Aktivität der am Körper diagonal verlaufenden Muskelketten sorgt für eine bessere Aufrichtung der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte. Die Vorbereitung auf die dreidimensionalen Anforderungen des Alltages werden in den asymmetrischen Ausgangsstellungen geschult.

Orthopädische, chirurgische Krankheitsbilder - Diagnose: Bandscheibenvorwölbung / -vorfall
Haupteffekt der Brunkowtherapie für dieses Krankheitsbild ist das Langwerden, die so genannte Elongation, und Aufrichtung der Wirbelsäule. Den einzelnen Nervenästen wird damit an ihren Austrittsstellen zwischen den Wirbelkörpern wieder ausreichend Platz geschaffen, so dass keine Kompression der Nerven durch vorgewölbtes oder vorgefallenes Bandscheibenmaterial mehr stattfinden kann. Die für Bandscheibenprobleme typischen Merkmale des Kribbelgefühls, Ameisenlaufens, ins Bein ausstrahlende Schmerzen, Lähmungen werden damit sehr positiv beeinflusst.

Orthopädische, chirurgische Krankheitsbilder - Diagnose: Arthrose / Degenerative Gelenkerkrankungen / Gelenkblockaden
Im Mittelpunkt der Therapie steht die Zentrierung der Gelenke (auch Wirbel- und Rippengelenke) und das Wiedererlangen des vollen Bewegungsausmaßes. Über die geordnete Muskelkettenaktivität und die Beseitigung muskulärer Ungleichgewichte (Verkürzungen / Kraftmangel) werden Gelenke wieder physiologisch belastet und weiteren Fehlbelastungen, die zur vorzeitigen Alterung und Abnutzung der Gelenke führen, vorgebeugt. Durch die Zentrierung der Gelenke werden die mechanischen Voraussetzungen geschaffen, die ein volles Bewegungsausmaß erlauben.


3. Sonstige Krankheitsbilder


Sonstige Krankheitsbilder - Diagnose: Migräne / Spannungskopfschmerz
Die Verbesserung der Haltung beinhaltet die Aufrichtung der Halswirbelsäule. Innerhalb des Aufrichteprozesses werden schwache Muskeln integriert und verkürzte und verkrampfte Muskeln gedehnt. Muskuläre Ungleichgewichte (Dysbalancen) werden ausgeglichen. Schmerzzustände, die durch hypertone und hypotone Muskulatur hervorgerufen werden, werden sehr positiv beeinflusst.

Sonstige Krankheitsbilder - Diagnose: ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom)
Die Erfahrung der letzten Jahre in der Behandlung hyperaktiver Kinder zeigt, dass Brunkow durch das "Finden der eigenen Mitte" einen wertvollen Beitrag zur Konzentrationssteigerung und Körperwahrnehmung leisten kann.

Autor: ZVK, Arbeitsgemeinschaft Brunkow

 

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