Nervenschmerzen treten meistens an den Stellen des Körpers auf, die der Nerv versorgt. Seine Aufgaben: Reizleitung zwischen Messfühlern z.B. in der Haut oder den Muskeln zum Gehirn und wieder zurück.
Ohne Nerven könnten wir nicht angemessen auf die Außenwelt und Veränderungen im Organismus reagieren. Störungen der Nervenfunktion (Neuropathien) beeinträchtigen daher die Muskeln bis hin zur Lähmung, verursachen Empfindungs- und Regulationsstörungen der Haut und verursachen Kribbeln und Schmerzen.
Elektrische Muskelstimulation nutzen
Nebenwirkungsfrei und schmerzlindernd wirkt die elektrische Muskelstimulation (EMS) bei neuropathischen Schmerzen, wie jetzt in einer Studie an der Universitätsklinik Heidelberg für die Behandlung von Diabetikern belegt werden konnte. Die Beschwerden hatten sich bei 73 Prozent der 92 behandelten Männer und Frauen mit Typ-2-Diabetes und Neuropathie nach vier Wochen erheblich gebessert. Die Heidelberger Wissenschaftler um Dr. Per Humpert, Oberarzt der Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel, setzten dazu zweimal wöchentlich, eine Stunde lang definierte Stromreize in der Oberschenkelmuskulatur. Je größer die Beschwerden waren, desto besser schlug die Therapie an. Besonders die brennenden Schmerzen und dadurch bedingten Schlafstörungen konnten reduziert und die Lebensqualität deutlich erhöht werden.
Mögliche Ursachen klären
Nervenschäden können nicht nur durch Diabetes verursacht sein. Bandscheibenvorfall, Sehnenscheidenentzündung, Knochenbruch oder Tumor können zu Druck auf Nerven führen und eine Neuropathie verursachen. Bei Unfällen und Operationen können Nerven verletzt werden. Vitaminmangel, Alkoholkrankheit und anderen Vergiftungen können Nerven schädigen. Bei entzündlichen Erkrankungen wie z.B. Multipler Sklerose spricht man auch von Polyneuritis. Nervenentzündungen können außerdem die Folge von Virusinfektionen (Windpocken, HIV) oder Bakterieninfektionen (Borreliose) sein.
Diagnose und weitere Behandlungsmöglichkeiten
Nervenschmerzen machen sich so deutlich bemerkbar, dass der betroffene Nerv meistens schnell entdeckt ist. Es folgen Blutuntersuchungen, Computer- oder Kernspintomografie. Die Funktion der Muskeln und Nerven wird geprüft und eine Röntgenuntersuchung gibt Aufschluss über den Zustand der Gefäße. Natürlich sollten mögliche Ursachen beseitigt oder Grunderkrankungen (z.B. Diabetes) behandelt werden. Doch selbst wenn keine Ursache identifizierbar ist, kann der Schmerz gelindert werden. Schmerzmittel, Antidepressiva, Antiepileptika, Radikalfänger (Alpha-Liponsäure) und Lokalanästhetika können zum Einsatz kommen. Physiotherapie, Entspannungs- und psychotherapeutische Verfahren bringen oft Entlastung. So mancher Schmerzpatient profitiert auch von alternativen Methoden wie Akupunktur, Homöopathie, Osteopathie, Feldenkrais und Biofeedback.
Link im Internet
Mehr Wissen über neuropathischen Schmerz bei GESUNDHEIT HEUTE
Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg, Redaktion apotheken.de
Redaktion apotheken.de, 24.03.2009